Was wäre, wenn Tarot nicht automatisch hilfreich wäre?
Was wäre, wenn es Praktiken gäbe, die dich nicht stärken, sondern schwächen? Und nicht deshalb, weil Tarot böse ist oder gefährlich oder Teufelszeug, sondern weil es Praktiken gibt, die dir die Verantwortung für dich selber abnehmen. Darüber sprechen wir heute.
Hinweis: Mit dem Klick auf das Video verbindest du dich mit YouTube und es werden Daten in die USA übertragen
Transkript der Episode
Tarot ist nie neutral.
Es wirkt immer auf deine Beziehung zu dir selbst. Die Frage ist nämlich nicht, ob Tarot wirkt, sondern wie. Und es ist natürlich völlig normal, dass Menschen Tarot dann nutzen, wenn es Krisen gibt, wenn es Unsicherheiten gibt, dann legen sie sich entweder selber die Karten oder gehen zu einem guten Kartenleger.
Wenn es Umbrüche gibt, wenn es emotionale Herausforderungen gibt, wenn Trennungen anstehen, wenn berufliche Veränderungen anstehen und das ist völlig normal und völlig verständlich. Aber genau in solchen Situationen, in solchen Krisen, in solchen Umbruchssituationen, da zeigt sich, ob Tarot dich stärkt oder schwächt.
Eine Tarot-Praxis wird dann ungesund, wenn sie deine eigene Wahrnehmung ersetzen soll oder du deine Verantwortung, deine Selbstbestimmung, deine Entscheidungskompetenz auf die Karten einfach abschiebst, statt selber in den Fahrersitz zu treten, statt selber Entscheidungen zu treffen.
Ungesunde Praktiken
Mal ein paar Beispiele. Du ziehst die Karten oder lässt dir die Karten legen, aber nicht um Klarheit zu bekommen, sondern um eine Entscheidung nicht treffen zu wollen. Grundsätzlich ist die Frage „Was soll ich tun?“ nicht das Problem.
Und diese Frage ist durchaus legitim und diese Frage ist auch durchaus okay. Problematisch wird es aber, wenn du sie mit einer inneren Haltung stellst: „Nimm mir die Entscheidung ab. Du sagst mir jetzt, was ich tun soll. Ich will mich nicht entscheiden, ich will die Entscheidung von dir haben.“
Und da fängt wirklich das Problem an, wenn du diese Entscheidungskompetenz, dieses Vertrauen in dich und in deine eigene Urteilsfähigkeit einfach abgibst. Das macht einen Unterschied, ob du die Karten fragst, um Klarheit zu gewinnen oder um nicht entscheiden zu müssen.
Und du siehst schon, worauf das hinausläuft. Wenn du die Karten fragst und sie bittest, dir die Entscheidung abzunehmen, dann überlässt du deine Eigenverantwortung 78 Pappkarten. Das macht nicht wirklich Sinn, oder?
Oder eine andere Variante, die gerne genommen wird, ist, solange sich die Karten zu legen, immer mit derselben Frage, bis dann hoffentlich mal die Antwort kommt, die man sich erwünscht.
Und dabei betrügt man sich auch selber. Denn in der Regel zeigen einem die Karten schon den Weg oder die Möglichkeit oder die Richtung, in die es laufen soll. Wenn du immer und immer und immer wieder die gleiche Frage stellst, ohne dass sich etwas verändert hat, ohne dass du ins Tun gekommen bist, ohne dass neue Aspekte dazugekommen sind, dann ist es wie bei einem Freund oder bei einer Freundin, die du immer wieder fragst, was soll ich tun? Und sie immer und immer und immer wieder fragt. Sie werden dann irgendwann mal genervt nach dem Motto, mach doch erst mal das, was ich dir empfohlen habe. Oder mach was anderes, aber mach irgendwas. Und genau so ist es dann auch mit den Karten.
Da kommt entweder immer und immer wieder die gleiche Botschaft oder ein völliges Kauderwelsch, also wenn du so lange eine Antwort bei den Karten suchst, bis du deine Selbstbestätigung hast, das wird in die Hose gehen. Das ist nämlich eine Bestätigung für deinen eigenen Selbstbetrug. Und in solchen Momenten ist Tarot nicht mehr ein Spiegel deiner selbst und deiner Seele, sondern du stellst es quasi über dich.
Es wird zu einer Autorität und dann verändert sich etwas sehr Grundlegendes. Du hörst nämlich auf, dir selbst zu vertrauen. Und das ist ein schleichender Prozess.
Und das ist nicht gesund. Eine gesunde Tarotpraxis ist eine, die dich wacher, empfindsamer, sensibler auch für dich selber macht, die dir auch Klarheit gibt. Eine ungesunde Tarotpraxis macht dich abhängig von Antworten.
Das ist auch so der Dunstkreis, in dem, und die gibt es natürlich bei den Kartenlegern, Personen, auf dein Geld aus sind und dich manipulieren, die dich in Angst und Abhängigkeit halten. Sehr, sehr ungesund, sehr, sehr toxisch.
Intuition und Verstand ergänzen sich
Bei der ganzen Geschichte kommt es bei der einen oder anderen Person auch noch dazu, dass sie sich komplett nur auf den Standpunkt stellt, ich deute die Karten rein intuitiv.
Denn Intuition ist super wichtig bei Tarot. Zusammen mit dem Verstand sind es zwei gleichwertige Partner. Aber wenn man sagt, ich verlasse mich dann nur auf meine Intuition, dann öffnet man so ein bisschen durch die Hintertür dem eigenen Verstand ein Türchen, wo es dann anfängt, dir einzuflüstern, was du gerne hören möchtest, so als Intuition, als innere Stimme getarnt, was du hören möchtest und nicht, was du hören sollst.
Und viele verwechseln das häufig, ist das wirklich meine innere Stimme und was ist das, was mir der Verstand getarnt als Intuition, getarnt als innere Stimme einflüstert, um mich zu beschützen, um mich in Sicherheit zu halten, um mich auch klein zu halten. Denn wenn ich klein bin und unter dem Radar bin, dann passiert mir nämlich nichts. Und das ist der Hauptzweck dieses Mechanismus, dich zu beschützen, ist per se eine gute Sache.
Aber wenn wir nichts Entscheidungen treffen, wo wir auch mal ein bisschen über unsere Grenzen hinausgehen, dann wachsen wir nicht.
Intuition braucht einen Bezugsrahmen
Viele sind der Meinung, dass Intuition bedeutet, sich nur ganz dem Gefühl zu verlassen, also dem, was du meinst, dass die Karten dir sagen. Und das ist meiner Meinung nach nicht richtig, denn da fehlt dir die Orientierung, da fehlt dir der Rahmen.
Da fehlt der Rahmen für die Intuition und der Rahmen wird vorgegeben, zum Beispiel durch die 78 Karten, durch die 22 Karten der Grossen Arkana, durch die 40 Karten der Kleinen Arkana, durch die 16 Karten der Hofkarten. Das ist ein Rahmen, das ist eine gewisse Struktur. Da sind auch noch die Elemente und die Ziffern noch mit dabei.
Ohne so einen Rahmen wird es alles schwammig und diffus und orientierungslos und beliebig. Deshalb ist meiner Meinung nach Wissen bei Tarot auch sehr, sehr wichtig und es ist auch ein sozusagen Kontrollinstrument, so nach dem Motto, ist das, was ich mir jetzt zurechtlege, das, was ich in den Karten sehe, ist es da auch überhaupt drin? Oder widerspricht es dem, wenn ich den Bezugsrahmen von Ziffern, von Symbolen, von Elementen damit reinbringe, von den Archetypen?
Denn im Grunde siehst du auch nur, was du weisst. Wenn du nicht weisst, was ein Symbol bedeutet, zum Beispiel ein Stoppschild, dann siehst du es, aber du verstehst es nicht und du rennst über die Strasse und wirst im schlimmsten Fall überfahren, weil du nicht geguckt hast und weil du das Stoppschild ignoriert hast.
Und so ist es auch mit den Symbolen und mit den Elementen und mit den Ziffern. Sie geben dem Ganzen, der Intuition, einen Rahmen und verhindern auf die Art und Weise, dass du dich selber beschwindelst. Und wenn du diese Symbole und Elemente und Bedeutungen kennst, also wo da wirklich Wissen und Intuition zusammenkommen, dann erkennst du, was tatsächlich in der Karte liegt und was deine Projektion ist.
Und dieses solide Fundament verhindert, dass es so ein schwammiger Raum ist. Aber es verhindert auch natürlich, dass dieser Deutungsraum dazu genutzt wird, Angst zu machen und dich zu manipulieren. Und diesen Deutungsraum im Sinne von intuitiven Ansätzen, intuitiven Übungen, vielen Meditationen, aber auch Wissen um die Bedeutungen, das ist der Punkt, wo mein Pfad der Karten ansetzt. Nicht, um dir Antworten zu geben, so und so und so und so ist es und nicht anders. Nicht, um dir Deutungen vorzuschreiben, sondern um dir eben diesen Bezugsrahmen zu vermitteln. Denn das Wissen ist da kein Endpunkt.
Es ist ein Startpunkt, von dem aus du weitergehen kannst, von dem aus du deine Erfahrungen sammeln kannst, von dem aus du deine Beziehung zu den Karten aufbauen kannst, ohne dich selbst zu verlieren.
Und ein wichtiger Hack, den ich dir jetzt gleich noch mitgeben möchte, ist, wenn du das nächste Mal die Karten ziehst oder bevor, dann atme ein paar Mal kurz tief durch und frage dich: Will ich jetzt Orientierung haben oder will ich die Verantwortung abgeben? Und allein schon diese innere Haltung, dieser Haltungswechsel wird schon für den einen oder anderen Aha-Moment sorgen.
Tarot ist nicht immer hilfreich
Bevor wir zum Ende kommen, gibt es noch einen Mythos, den ich mit dir auflösen möchte und zwar ist das der Mythos, dass Tarot immer hilfreich ist.
Ich glaube, das hast du schon verstanden. Tarot ist nicht immer gesund und hilfreich. Tarot ist so gesund und hilfreich und unterstützend wie die Beziehung, die du zu den Karten aufbaust.
Wenn dir die Karten eine Entscheidung abnehmen sollen, schwächt es dich, weil es bringt dich aus deiner eigenen Entscheidungskompetenz, aus deinem Vertrauen in dich selber heraus. Wenn Tarot dir Orientierung geben soll, dann stärkt es dich. Es zeigt dir Möglichkeiten auf, es zeigt dir Wege auf, aber es sagt nicht, den musst du gehen oder den musst du gehen oder den musst du geben.
Wenn Tarot dir Antworten liefert im Sinne von so ist es oder dir der Kartenleger Antworten liefert, so ist es, so und nicht anders, dann macht es dich abhängig. Nicht gut. Wenn Tarot dir hilft, dir selber zuzuhören, stärkt es dein Vertrauen in dich selbst.
Gesunde, stärkende Tarotpraxis bringt dich näher zu dir selbst. Nicht zu Gewissheiten, dass etwas auf eine ganz bestimmte Art und Weise passieren soll oder wird, nicht zu Vorhersagen, sondern es bringt dich zu einer inneren Klarheit, die dich trägt.
Und darum geht es bei Tarot.
Nicht um absolute Antworten, nicht um absolute Wahrheiten, sondern um eine Beziehung zu dir selbst.

Kennst du eigentlich schon meine 5 intuitive Tarotübungen (nicht nur) für Kopfmenschen?
Dieses kostenlose Mini-Training zeigt dir einen einfachen Weg, Tarot klar und intuitiv zu nutzen.
Du lernst, Karten zu ziehen ohne Bedeutungen zu suchen und ohne ins Zerdenken zu kommen.
Kurz. Alltagstauglich. Ohne Vorwissen.
Sichere dir jetzt meine 5 Übungen (0 €/CHF) im Austausch für deine Email-Adresse und beginne gleich, mit Tarot zu arbeiten.





