Eine der grössten Herausforderungen im Tarot sind nicht die Karten der Grossen Arkana oder der Kleinen Arkana, sondern die Hofkarten. Da ist die Verwirrung gross, denn es gibt ganz ganz unterschiedliche Sichtweisen, wie man mit den Karten umgehen kann und ich möchte dir heute einen pragmatischen Ansatz geben, der dir die Hofkarten hoffentlich erschliesst.
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Transkript der Episode
Die Hofkarten – Was fängt man mit diesen Karten an?
Sind es jetzt Personen, sind es Botschaften, sind es Persönlichkeitsanteile, sind es Situationen, sind es Eigenschaften? All das sind Möglichkeiten, die Karten zu sehen, zu deuten, zu interpretieren. Aber weil es so viele Möglichkeiten sind, ist das Chaos gross und ist die Verwirrung gross.
Wenn die Hofkarten in einer Legung kommen, ist bei den meisten als Erstens diese Erstarrung. „Um Gottes willen, was fange ich jetzt nun mit der Hofkarte an?“
Ich möchte dir ein paar Schritte zeigen, wie du dich den Hofkarten nähern kannst und was für mich der praktikable Ansatz ist.
Aber wie so häufig, es gibt da keine richtige und keine wirklich falsche Lösung, sondern es gibt unterschiedliche Sichtweisen. Ich erzähle dir einfach meine und du kannst dir dann überlegen, ob das für dich passt und nimmst dir das für dich mit, was für dich stimmig ist.
Die Hofkarten als Entwicklungsstufen
Nun, wir stellen uns mal vor, wir haben den Pagen, wir haben den Ritter, die Königin und den König. In manchen anderen Systemen gibt es die Prinzen und die Prinzessinnen und den Ritter und die Königin.
Da gibt es Unterschiede im Wording, aber im Grunde sind es immer vier Persönlichkeitsstufen, Entwicklungsstufen.
Wenn du dir überlegst, wann die Karten entstanden sind, so im 15. Jahrhundert, da gab es noch die Höfe, die Königshöfe. Die gibt es heute ja auch noch, aber da waren die noch viel weiter verbreitet.
Damals war der Page derjenige, der am Anfang seiner Laufbahn stand. Er war der Anfänger, er war der Beginner und heute würde man sagen, das sind die Azubis oder die Studenten, die Lernenden, das sind diejenigen, die am Anfang des Weges stehen.
Die Ritter sassen auf ihren Pferden. Sie bewegten sich schneller als jemand, der zu Fuss unterwegs ist. Da war Bewegung drin, da war Action drin. Wenn du dir das heute überlegst, das sind dann die Leute, die schon über das Lernstadium, über das Studium hinweg sind. Sie stehen mitten im Leben, sie wollen auf der Karriereleiter hochkommen, sie wollen da was bewegen, sie wollen was erreichen.
Die Königinnen, da geht es ums Fühlen, ums Verstehen, ums Verkörpern, um innere Energie und wenn du dir das auf heute überträgst, das sind im besten Fall die Personen im mittleren Management, die zum einen hinter ihren Mitarbeitern stehen, ihnen den Rücken stärken, ihnen auf den Rücken frei halten, aber auch dann die Verbindung zum oberen Management sind. Sie sind in einer Sandwich-Position und wenn sie ihren Job gut machen, dann sind sie für ihre Mitarbeiter da, aber sie sind auch gleichzeitig die Verbindung ganz nach oben.
Also das wäre so das heutige Pendant der Königinnen. Früher sassen die Königinnen natürlich an der Seite des Königs und sie haben vielleicht eher so subtil auf einer emotionalen Ebene die Strippen gezogen.
Der König ist der Anführer, er hat die Kontrolle, er hat die Führung, er gestaltet, er trifft die Entscheidungen. Das wäre heutzutage das obere Management, der CEO zum Beispiel. Du kannst es durchaus auf den heutigen Tag adaptieren mit den einzelnen Entwicklungsstufen.
Ich sehe die Hofkarten als Entwicklungsstufen und auch als Persönlichkeitsanteile von mir oder, wenn ich jemanden die Karten lege, von der anderen Person.
Ich sehe sie selten als konkrete Personen oder als Botschaften, also welche Botschaft hätte die Karte jetzt für mich oder als Situation, sondern ich beziehe das immer wirklich konkret entweder auf mich oder auf die Person, für die ich die Karten lege.
Weil das Entwicklungsstufen sind, können sie auch in unterschiedlichen Lebensbereichen auch auf einer unterschiedlichen Ebene sein. Stell dir vor du hast den Manager und CEO eines erfolgreichen Unternehmens, der ist auf der Königsstufe, der ist schon oben, der führt, der trifft Entscheidungen, die sein Reich, also die ganze Firma betreffen. Er ist der König, aber vielleicht ist er gerade in seiner Midlife-Crisis, erlebt seinen zweiten Frühling, Sturm und Drang, entbrennt in Liebe und kauft sich einen Porsche.
Da ist er auf dieser Beziehungsebene eher auf der Ebene eines Ritters. Er stürmt voran, da ist Bewegung drin, da ist Leidenschaft drin, er will was verändern, er will sein Leben verändern, sein Beziehungsleben.
Das ist zum einen die erste Ebene, also auf welcher Entwicklungsstufe befinden wir uns gerade, wenn wir uns mit den Hofkarten beschäftigen.
Der Einfluss der vier Elemente
Das zweite, was da noch mit rein spielt, das sind die vier Elemente Erde, Feuer, Wasser, Luft.
Beim Feuer sind wir im Bereich des Willens, der Willenskraft, der Durchsetzungsstärke, der Motivation, des Enthusiasmus.
Bei den Kelchen sind wir im Bereich der Gefühle, der Emotionen, der Liebe, auch der Liebe zu sich selbst, der Intuition, der Spiritualität. Also der Manager wäre in seiner Ritterform zum Beispiel ein Ritter der Kelche, weil er ja seine Emotionen noch mal ausleben will.
Wenn wir bei den Schwertern sind, sind wir im Reich der Luft. Da geht es um Gedanken, um Klarheit, um Logik, um Strategie, um all das, was sich im Kopf abspielt.
Wenn wir im Reich der Münzen sind, im Element Erde, da geht es um Realität, da geht es um das Fassbare, um das Materielle und auch um den Körper.
Wir haben zwei verschiedene Ebenen, die Entwicklungsstufen und die Elemente. Die kombinieren wir miteinander.
Wenn wir jetzt mal einen Zwischenstopp machen und das mal kurz zusammenfassen, also der Page, der steht am Beginn, das ist der Lernwillige.
Der Ritter ist derjenige, der in Bewegung ist, der manchmal auch zu Übertreibungen neigt, der umsetzt, der macht, der denkt nicht viel nach.
Bei der Königin geht es um Integration, um Verstehen, um Spüren, auch um den Raum halten, die Energie geht nach innen und beim König geht es um Struktur, um Führung, um Klarheit und die Energie geht nach Aussen.
Wir können das mal auf einen Punkt bringen: der Page entdeckt eine Energie, der Ritter erlebt sie, die Königin verkörpert sie und der König führt sie oder anders gesagt, der Page fragt, der Ritter handelt, die Königin versteht, der König gestaltet. Wenn du dir das einfach mal merkst, also wirklich diese vier Schlagwörter in Verbindung mit den Elementen, da hast du schon ein Grundverständnis, dann merkst du, dass das gar nicht mal so kompliziert ist.
Machen wir da mal ein paar konkrete Beispiele.

Hier haben wir den Ritter, der Schwerter. Schwerter waren die Gedanken und der Ritter ist in Bewegung, also Bewegung im Kopf, Gedanken, die sich schnell bewegen, schnelles Denken, schnelles Handeln aufgrund der Gedanken, überstürztes Handeln und überstürzte Gedanken. Er rennt einfach mal los, der macht sich vielleicht im Vorfeld Gedanken, aber der ist nicht aufzuhalten, der ist schnell, schnell im Denken und schnell im Umsetzen.

Die Königin der Kelche. Kelche, wir sind im Bereich Wasser, im Bereich Emotionen, Gefühle. Bei der Königin geht die Energie nach innen, da geht es ums Verstehen, ums Spüren, um Halten, Gefühle werden verstanden. Sie ist diejenige, zu der man gehen kann, wenn man Liebeskummer hat, um sich auszuheulen. Sie versteht einen, sie nimmt einen in den Arm, sie ist empathisch, sie spürt sich in dich hinein.
Sie wird dir nicht sagen „Stell dich nicht so an, es ist kein Beinbruch, das hat jeder schon mal erlebt“, sondern sie ist mitfühlend, sie versteht die Gefühle.

Und wenn du im Alltag eine Karte ziehst und es kommt zum Beispiel der Page der Münzen, dann geht es darum, dass es eine neue Idee gibt, die wachsen wird, die sich materialisieren wird. Wir sind beim Anfänger, jemand, der noch am Anfang seiner Entwicklung ist und er hat eben diese neue Idee. Das ist wie ein Samen, der in die Erde gepflanzt wird, der wachsen will, der sich entfalten will.
Die neue Idee will wachsen, aber weil er noch am Anfang ist, ist die Person unsicher. Die weiss nicht „Wird er wachsen, brauche ich mehr Dünger, muss ich noch irgendwas lernen, muss ich noch etwa ein paar praktische Fähigkeiten mir aneignen?“ Er weiss noch nicht so genau, was er tut, aber er ist bereit zu lernen.

Wenn dagegen der Ritter der Stäbe kommt, er ist schnell. Wir sind hier im Element Feuer bei den Stäben, da geht es um Mut, um Willen, um Durchsetzungsfähigkeit, um Leidenschaft, um Energie. Da ist irgendwas und er will es umsetzen, er denkt nicht gross nach, er handelt, er hat eine Idee, eine Vision, einen Impuls und den setzt er um.
Also er steht sozusagen für den Schnellschuss ohne Plan, er handelt, bevor er denkt. Beim Ritter der Schwerter ist es gerade umgekehrt, er denkt und handelt dann, aber auch sehr schnell.

Oder wir haben hier den König der Schwerter, da sind wir wieder im Kopf bei den Schwertern, aber beim König, also bei jemand, der klar ist, der weiss, was er will, der das ganze nach Aussen trägt, der umsetzt und der führt.
Er ist der König, er sagt, was getan werden will. Der König der Schwerter trifft klare Entscheidungen und kommuniziert sie auch klar. Also bei ihm weiss man genau, woran man ist, er sagt an und er gibt dir vielleicht noch den ein oder anderen Tipp, aber er überlässt dir auch die Verantwortung, denn er ist der König, er sagt, was er haben will, wo es hingehen soll, wie du es umsetzt, ist deins.
Die Hofkarten zeigen, was passiert, wie du mit einer Situation umgehst. Sie zeigen dein Verhalten und um das auf den Punkt zu bringen, die Hofkarten zeigen die Möglichkeiten. Du sollst sie nicht auswendig lernen, sondern du sollst sie erkennen.
Trainiere sie zu erkennen
Du sollst sie in den unterschiedlichen Situationen erkennen. Du kannst dir zum Beispiel auch ein Buch nehmen oder deine Lieblingsserie und dir überlegen, jetzt wie du weisst, wie du das Ganze kombinieren kannst, wer von den Hofkarten entspricht welcher Figur der Serie.
So kannst du es einfach trainieren, wer sind die Hofkarten, wie agieren sie, wie verhalten sie sich und du kannst es dann auch bei dir selber feststellen, wie verhalte ich mich gerade, bin ich gerade im Kopf und wenn ja, auf welcher Stufe bin ich. Bin ich in der klaren Kommunikation, in der Führungsrolle, überlege ich noch, wie es funktionieren kann, bin ich in Bewegung, setze ich schon meine Gedanken einfach um oder gebe ich dem ganzen Raum, versuche ich da noch mal rein zu spüren.

Auch die Königin der Schwerter, die logischste, die rationalste unter den Königinnen, hat eine intuitive, emotionale Seite. Wenn du dir die Karte mit den Schmetterlingen und mit den Mondsicheln anschaust , sind es deutliche Hinweise darauf, aber da jetzt noch mal in die Symbolik zu gehen, das würde zu weit führen.
Also, wie verhalte ich mich gerade und übe es ruhig mit fiktiven Figuren, mit realen Personen zu erkennen. Wenn du weisst, okay, die Person verhält sich wie der König der Schwerter oder wie die Königin der Kelche oder wie der Page der Münzen, dann kannst du es für dich viel leichter noch umsetzen, wenn die Karten in den Legungen kommen, denn dann kennst du die Karten und dann liest du die Karten nicht mehr, liest du die Deutung nicht mehr, liest du nicht mehr die Hofkarten, sondern du kennst sie und das macht den Unterschied.
Hinweis: Rider-Waite-Smith-Deck, gemeinfrei, weil die urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

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