Ich möchte heute mit dir über Symbole sprechen, denn gerade beim Waite-Smith-Deck gibt es ganz viele Symbole und manchmal kann das richtig erschlagend sein, gerade am Anfang und heute schauen wir uns an, wie du den Symbolcode knacken kannst.
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Transkript der Episode
Die Symbole im Waite-Smith-Deck haben alle eine Bedeutung. Das macht es teilweise so schwierig und so herausfordernd, gerade am Anfang, neben den ganzen Bildern auch die Symbole zu verstehen und neben den ganzen vielen Bedeutungen, die du vielleicht schon in den Büchern gelesen hast, in Videos gesehen oder in Podcasts gehört hast, das alles unter einen Hut zu bringen.
Aber Symbole sind wichtig, denn sie sind Zeichen und sie haben eine bildhafte Sprache. Sie stehen für etwas, aber für was? Und das ist die grosse Frage. Du kannst dich den Symbolen in relativ einfachen Schritten nähern. Später werde ich das dir auch noch an zwei Beispielen ganz klar zeigen.
Schritt 1: Welche Symbole kennst du bereits?
Also fang einfach mal mit dem an, was du schon kennst. Welche Symbole sagen dir schon etwas? Was verbindest du schon mit den einzelnen Symbolen? Was verbindest du zum Beispiel mit Wolken oder mit Kronen oder mit der Sonne? Bei den Symbolen sprechen wir jetzt nicht von den Symbolen, die für die einzelnen Reiche stehen, also wir sprechen jetzt nicht über die Schwerter, die Kelche, die Münzen und die Stäbe, sondern über die ganzen anderen Symbole, die du auch auf der Karte findest.
Also wie gesagt, mit welchen Symbolen kannst du schon was anfangen? Welche sind dir bekannt? Vielleicht hast du auch schon was zu der Lemniskate, zu dem Unendlichkeitszeichen gelesen und kannst auf dieses Wissen zurückgreifen.
Bewege dich erst mal auf vertrautem Boden. Das macht dich etwas sicherer und du verlierst dich nicht in Fragezeichen.
Schritt 2: Welche Symbole wiederholen sich?
Als zweiten Schritt schau dir einfach an, welche Symbole sich wiederholen.
Zum Beispiel Wolken kommen auf ganz ganz vielen Karten vor, genauso wie Burgen und Schlösser. Und dann guck einfach mal das ganze Deck durch und fang auch so ein bisschen an, das Deck zu entdecken, die Karten zu entdecken. Und guck, wo sind Wolken, wo sind Bäume, wo sind die Unendlichkeitszeichen, die rote Feder, wo wiederholen sich die Symbole?
Fang mit diesen Symbolen an, denn wenn sie häufig vorkommen und du sie dir erschlossen hast, dann hast du schon mal einen riesigen Wissensschatz, auf den du zurückgreifen kannst und von da aus kannst du dich einfach immer weiter vorarbeiten.
Schritt 3: Wie unterscheiden sich die einzelnen Symbole?
Dann schau dir einfach an, wie sich die Symbole unterscheiden. Guck dir zum Beispiel die Wolken an.
Manchmal sind es so richtig schön flauschige Schäfchenwolken, manchmal sind es zerrissene Wolken und guck dir den Zusammenhang mit der Karte an. Was verstärken sie, was verdeutlichen diese unterschiedlichen Darstellungen der Wolken?
Schritt 4: Was verbindest du mit dem jeweiligen Symbol?
Als nächsten Schritt überleg dir, was DU wirklich mit diesen Symbolen verbindest.
Was bedeutet zum Beispiel ein Löwe für dich? Was bedeutet eine Weltkugel für dich? Was bedeuten Sonnenblumen für dich? Über die Sonnenblumen sprechen wir gleich. Schreib das einfach auf und da gibt es kein richtig und kein falsch. Wenn du mir schon länger folgst, weisst du definitiv, dass ich der Meinung bin, dass es keine absolute Wahrheit im Tarot gibt. Also schreib frei von der Leber weg, was du mit den Symbolen verbindest, was dir dazu alles einfällt, welche Assoziationen du hast, wo du sie vielleicht schon gesehen hast, wo du sie erlebt hast.
Also sammel da einfach.
Schritt 5: Recherchiere die Symbole
Und der letzte Schritt ist, wenn du dir diese ganzen Sachen schon überlegt hast, also welche Symbole kennst du schon, welche wiederholen sich, wie unterscheiden sie sich, was verbindest du damit, dann recherchiere weiter. Denn dann wird es wirklich spannend herauszufinden, welche z.B. mythologische Hintergründe stecken hinter dem einen oder anderen Symbol, welche historischen Hintergründe stecken dahinter, die Blumensprache, wie gesagt bei der Sonnenblume kommen wir gleich drauf. Was steckt dahinter und so wird dein Wissen ganz automatisch erweitert. Du erarbeitest es dir auch selber. Und das ist wirklich das Wichtige, dass du nicht anfängst, irgendwie Quellen heranzuziehen und da das Wissen von anderen auswendig zu lernen, sondern wenn du es dir selber erschliesst, dann kannst du es dir viel viel leichter merken. Das kennst du bestimmt auch von anderen Tätigkeiten. Wenn man etwa über etwas liest, ist es etwas ganz anderes, wie wenn man etwas macht und wenn du etwas selber herausfindest, wird es eher deins und es formt dann deinen eigenen Weg.
Aber tauchen wir jetzt mal konkret in zwei Symbole ein. Ich habe bewusst mir welche genommen, die nicht so häufig auftauchen, denn jetzt mit ganz ganz vielen Karten herum zu hantieren, wäre etwas umständlich und es wäre vielleicht auch etwas zu viel.
Beispiel 1: Die Sonnenblume


Das erste Symbol, das ich mir herausgenommen habe und das auf zwei Karten vorkommt, ist die Sonnenblume. Die kommt hier einmal bei der Sonne vor. Da hast du hier vier Sonnenblumen und du hast die Sonnenblume hier bei der Königin der Stäbe.
Und wenn wir jetzt mal wirklich diesen Prozess durchgehen, was verbindest du mit Sonnenblumen? Also ich verbinde Lebensfreude damit, Optimismus und wenn ich mir die Sonnenblumen anschaue, die drehen auch ihren Kopf, also die wenden sich der Sonne zu, die wenden sich etwas Positiven zu, die wenden sich dem Licht zu. Ja, ich verbinde sie einfach auch mit Sommer. Wenn ich Sonnenblumen sehe, dann fange ich das Lächeln an, weil die sowas Positives, sowas Schönes, sowas Strahlendes haben.
Und beim Strahlen sind wir schon bei der Königin der Stäbe.
Im 18. und 19. Jahrhundert, im viktorianischen Zeitalter, da war etwas sehr beliebt, gerade auch im viktorianischen England und das war die Blumensprache. Das war so ein Geheimcode, mit dem man Botschaften überbringen konnte. Das Waite-Smith-Deck ist am Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden. Die Menschen waren da noch von der viktorianischen Ära beeinflusst und sie kannten auch die Blumensprache. Die Sonnenblume steht dabei für Stolz, für Erhabenheit, für Lebensfreude, für Wärme, auch für bedingungslose Treue und für Loyalität.
Woher das kommt, darauf komme ich gleich. Aber du siehst, gerade das, was auch ich ganz stark mit der Sonnenblume verbinde, vielleicht auch du, macht dir da deine eigenen Gedanken, das findet sich in dieser Blumensprache, in dieser Symbolsprache auch wieder.
Wenn du in die Mythologie eintauchst, dann gibt es auch eine Legende, die zu der Sonnenblume passt.
Es gab mal eine Nymphe oder ein junges Mädchen, bin ich mir jetzt nicht so ganz sicher, Klythia, und die war in Apollo, den Gott der Sonne und des Lichtes, verliebt. Er hatte auch was mit ihr gehabt. Und wie Götter so sind, irgendwann war er der guten Klythia überdrüssig und wendete sich Leukothoe zu. Klythia war natürlich nicht so besonders begeistert davon, dass sie sitzen gelassen wurde und hat dem Vater ihrer Nebenbuhlerin das gesteckt, dass seine Tochter etwas mit Apollo hat. Der Vater war auch not amused und hat seine Tochter heftig bestraft, er hat sie nämlich lebendig begraben.
Apollo war natürlich stinkesauer. Klythia hat gehofft, wenn die Nebenbuhlerin weg ist, dann kann ich wieder Apollo erobern, aber dem war nicht so. Apollo war furchtbar sauer über diesen Verrat und hat sich endgültig von Klythia abgewendet.
Und so lag sie neun Tage und neun Nächte darbend und leidend, ohne was zu essen und ohne was zu trinken, auf einem Stein. Die Götter hatten dann irgendwann mal Mitleid mit ihr und verwandelten sie in eine Sonnenblume. Mit ihren Wurzeln war sie mit dem Boden fest verbunden, konnte sich also nicht mehr bewegen, konnte nichts mehr, ein Anführungszeichen, anstellen.
Aber sie richtete sich immer noch nach der Sonne aus, nach ihrem Geliebten, der sie so schmählich in Stich gelassen hat.
Wenn du diese Geschichte hörst, diese eigentlich ziemlich traurige Geschichte, dann weisst du schon, was es mit bedingungsloser Liebe und Treue zu tun hat. Das war nämlich Klythia, die Apollo so sehr geliebt hat, dass sie auch etwas gemacht hat, was nicht so die feine englische Art war, nämlich jemand zu verraten und zum Tode verurteilen, indirekt. Aber sie war blind vor Liebe und sie hat sich nach der Sonne immer ausgerichtet. Und so tut es die Sonnenblume auch heute.
Und wenn du das weisst, wenn du das alles zusammennimmst, dann hast du schon mal eine ganz andere Ebene, eine ganz andere Tiefe für die Karten.
Wenn du dir das mal anschaust, die stolze Sonnenblume, die strahlt, die sich nach der Sonne ausrichtet. Die Sonne leuchtet und strahlt natürlich auch.
Und das Sonnenlicht wird ja auch zum Beispiel vom Mond reflektiert. Deshalb leuchtet der Mond nachts. Und ohne Sonne gäbe es kein Leben.
Dafür steht ja auch die Sonnenblume mit ihren vielen Blütenblättern. Sie sieht ja auch wie eine Sonne aus. Und die Königin der Stäbe, das ist die Strahlende, die Diva, voller Lebensfreude, voller Vitalität.
Also all das, was man mit der Sonnenblume verbindet. Und bei der Sonne liegt es natürlich auch nahe, die Sonnenblume dort zu verankern. Dort sind es vier Sonnenblumen.
Die Vier, wenn du da noch die Numerologie mit reinbringst, die steht für Stabilität, für Ordnung. Da ist diese Lebensfreude, dieser Optimismus, diese Wärme. Das hat eine gewisse Stabilität.
Das ist gefestigt. Das Kind auf dem Pferd lässt sich nicht so leicht auch aus seiner Lebensfreude rauskicken. Und ja, der Optimismus ist diesem Kind, diesem Sonnenkind quasi ins Gesicht geschrieben.
Beispiel 2: Der Granatapfel
So viel zur Sonnenblume. Und das andere Symbol, was ich mir herausgesucht habe, ist der Granatapfel. Den findest du auch auf zwei Karten.


Bei der Hohepriesterin ist er auf dem Vorhang und bei der Herrscherin auf dem Kleid. Manche sagen, dass das Rosen sind, aber wenn man ganz genau hinschaut, sind das aufgebrochene Granatäpfel.
Dazu gibt es auch eine Legende, aber dazu gleich mehr. Der Granatapfel – wenn du schon mal einen gegessen hast, oder wenn du versucht hast, schon mal einen zu schälen, es ist eine Riesensauerei, denn dieser rote Fruchtsaft, den kriegst du nirgends mehr raus, so ähnlich wie Blut. Blut kriegst du auch aus weissen Sachen ganz, ganz schwer raus.
Die Früchte sind saftig, aber wenn du auf den Kern drauf beisst, dann ist es auch eine gewisse Bitterkeit ist da. Diese blutrote Farbe, diese vielen Kerne, wenn du eben so einen Granatapfel aufbrichst, die stehen für Blut, für Fruchtbarkeit, für Weiblichkeit. Diese Bitterkeit der Kerne steht auch für Tod, Leben und Tod werden quasi in dieser Frucht vereint.
Der Granatapfel ist wegen dieser Assoziation, auch wegen der Fruchtbarkeit mit Venus, der Göttin der Liebe, verbunden und auch mit Juno, der römischen Göttin der Ehe. Die Bräute trugen früher im alten Rom Kränze aus Granatapfelzweigen.
In Persien, also im heutigen Iran, wo der Granatapfel mitunter auch herkommt, steht er für Unbesiegbarkeit, für Lebenskraft.
Im Judentum steht er für den Reichtum des Gelobten Landes. Es sind ganz ganz viele positive Assoziationen, aber eben auch durch die Bitterkeit der Kerne Assoziation mit dem Tod. Und Aphrodite wurde ja auch mit Venus gleichgesetzt und da hast du hier auch dieses Venus-Symbol.
Die Herrscherin steht für Fruchtbarkeit, für Weiblichkeit. Das passt alles wunderbar zusammen. Sie steht dafür, neue Sachen in die Welt zu bringen, also auch Fruchtbarkeit, fruchtbare Ideen, nicht nur für Mutterschaft im herkömmlichen Sinn, sondern auch für Kreativität, für etwas Neues erschaffen.
Wenn du das Ganze dir vergegenwärtigst, fragst du dich vielleicht, was hat hier die Hohepriesterin mit der Fruchtbarkeit zu tun? Nun, hier ist es eher ein Symbol der erwachenden Weiblichkeit, der weibliche Aspekt. Wenn du genau hinschaust, hast du hier diesen Granatapfel, der sich gerade öffnet.
Bei der Herrscherin ist es der offene Granatapfel. Bei der Hohepriesterin ist noch etwas im Verborgenen, da zeigt sich es noch nicht. Wenn du genau hinschaust, hast du hier noch diese Palmwedel, diese Dattelpalmen, die nach oben ragen.
Da hast du eben das weibliche und das männliche Symbol, genau wie du hier die Dualität mit der schwarzen mit der weissen Säule hast. Die Dualität spiegelt sich auch mit der Zwei wieder, zwei Wege, männlich-weiblich, Licht und Schatten, hell und dunkel, Tag und Nacht, Ebbe und Flut.
Diese Dualitäten spiegeln sich zum Teil auch bei der Hohepriesterin wieder und insofern macht es auch durchaus Sinn, dass der Granatapfel bei der Hohepriesterin mit dabei ist.
Und wie gesagt, zum Granatapfel gibt es auch eine griechische Legende. Da gab es den Unterweltgott Hades, der sich in Persephone, die Tochter der Erdgöttin Demeter, verguckt hat.
Er hat sie in die Unterwelt gelockt. Während Persephone in der Unterwelt war, suchte ihre Mutter Demeter sie auf der ganzen Welt. Demeter, die Erdgöttin, die Fruchtbarkeitsgöttin, hat dann, in Anführungszeichen, ihren Job einfach nicht gemacht.
Es gab kein Frühling, kein Sommer mehr. Alles war tot, weil einfach die Erdgöttin so traurig war, weil ihre Tochter nicht da war. Irgendwann haben die Götter gesagt, nee, so geht das nicht weiter.
Zeus, der Göttervater, hat Hades dann aufgegeben, Persephone wieder zu entlassen. Aber er wollte natürlich auch nicht, dass sie für immer geht. Also hat er ihr Granatapfelkerne zu essen gegeben.
Der Grund ist, wenn du etwas in der Unterwelt isst, dann bleibst du dort auch verhaftet. Aber weil es nur sehr wenige Kerne waren, ging die Geschichte am Ende so aus, dass Persephone natürlich wieder auf die Erdoberfläche zurückgekommen ist, aus der Unterwelt raus ist. Demeter war glücklich, der Jahreskreis fing wieder an zu funktionieren, alles hatte seine Ordnung.
Aber für eine bestimmte Zeit des Jahres musste Persephone wieder, weil sie die Kerne gegessen hat, in die Unterwelt zurückkehren. Da siehst du auch schön die Dualität zwischen Leben und Tod.
Ein wenig Recherche macht dir die Symbole des Tarot einfach viel verständlicher. Ich hoffe, ich konnte dir jetzt einige Erkenntnisse mitgeben.
Erinnere dich noch mal daran, wie du dir die Symbole erschliesst: Welche kennst du schon aus deinem Alltag, aus deinem Leben? Welche wiederholen sich? Wie unterscheiden sie sich? Was verbindest du damit?
Jetzt weisst du schon einiges mehr über die Sonnenblume und über den Granatapfel und recherchiere einfach weiter. Und nicht nur Tarotbücher, sondern auch wirklich diese ganzen alten Legenden, diese ganzen Göttergeschichten. Und das wird dir mit Sicherheit das ein oder andere Aha-Erlebnis geben.
Hinweis: Rider-Waite-Smith-Deck, gemeinfrei, weil die urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

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Meine Coaching- und Beratungsangebote:
- Tarot-Talk Episode 78: Wie du Tarot-Symbole verstehen lernst - 24.06.2026
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