Wenn du nur eine Karte vor dir hast, ist die Welt noch in Ordnung. Du schaust dir die Karte an, du guckst, was da passiert, überlegst dir vielleicht, was zu der Karte geführt hat. Wenn zwei da sind, geht es zur Not auch noch. Dann überlegst du dir, was passiert in der ersten Karte, was passiert in der zweiten Karte, wie komme ich von der ersten zur zweiten? Aber bei dreien, da steigst du aus.

Zu viele Personen, zu viele Symbole, zu viel Information. Du fühlst dich überwältigt, du verstehst nicht so wirklich, wie du die drei unter einen Hut bringst. Du fühlst dich überfordert. Und warum das so ist und wie du mehrere Karten besser lesen kannst, darum soll es heute gehen


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Transkript der Episode

Wenn du drei Karten vor dir liegen hast, dann springst du vielleicht hin und her, du liest sie einzeln, aber du kriegst nicht so wirklich den Zusammenhang hin, weil nichts zusammenpasst. Dabei sind es nur drei Karten und nicht zehn Karten, wie bei dem keltischen Kreuz.

Du betrachtest die Karten einzeln und nicht als Abfolge. Das ist das Grundproblem. Du musst es dir wie bei einem Film vorstellen

Eine Abfolge statt Einzelbilder

Du siehst ja auch einen Film als Ganzes. Aber jeder Film besteht aus unzähligen einzelnen Bildern, die abgespielt werden und die dann die Geschichte erzählen. Natürlich kann es Sinn machen, mal einzelne Standbilder rauszupicken, die sehr markant sind. Aber auch nur aus einzelnen Standbildern wirst du die Geschichte dir nicht zusammenreimen können.

Da wirst du nicht wissen, was passiert da, wenn du nur einzelne Spots hast. Genauso ist das, wenn du die Karten nur einzeln betrachtest. Da hast du quasi einzelne Standbilder, aber du verbindest sie nicht miteinander.

Das macht eine Legung mit mehreren Karten holprig und schwierig. Du weisst nicht so genau, wie das funktionieren soll. Das ist absolut verständlich, wenn es dir keiner erklärt hat, wie das Ganze funktionieren kann.

Woher sollst du es dann auch wissen? Ich möchte dir heute eine einfache Struktur an die Hand geben, mit der du dieses Problem für dich lösen kannst. Es ist eine Möglichkeit. Es gibt natürlich auch noch andere Möglichkeiten: Du kannst die Karten einzeln deuten und dann versuchen, auf deine Weise eine Verbindung zu schaffen. Du kannst die Karten einzeln aufdecken, also erst die erste Karte, dann deutest du die. Dann deckst du die zweite Karte auf, deutest die und deckst dann die dritte Karte auf und deutest sie. Dann versuchst du, den Bogen zu spannen. Ist legitim.

Du kannst auch alle Karten gleichzeitig aufdecken. Das ist das, mit dem wir jetzt dann gleich arbeiten werden und schauen, was passiert da. Wie kriegst du da den Bogen hin?

Du kannst mit Positionen arbeiten. Jede Karte hat eine bestimmte Bedeutung. Bei einer Dreierlegung zum Beispiel Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Oder hat eine bestimmte Frage. Auch super.

Du kannst es aber auch bleiben lassen und einfach mal gucken, wie die Karten zu dir sprechen, was deine Geschichte, deine Version heraus wird. Das ist alles legitim. Das ist alles möglich.

Da auf jetzt alles im einzelnen Detail einzugehen, wird ein bisschen lang werden und ich will dich nicht überstrapazieren. Wir machen das jetzt auf eine bestimmte Art und Weise. Aber was ich sagen will ist, lass dich nicht entmutigen, mit den anderen Versionen auch zu spielen, zu experimentieren.

Mach da ruhig deine eigenen Entdeckungen. Aber, und das ist meiner Meinung nach wichtig, ist, dass du dir am Anfang überlegst, wie will ich es machen. Und dass du auch erst mal dabei bleibst, dass du nicht sagst, oh nee, das ist mir zu kompliziert, das ist mir zu umständlich. Ich schwenke da mal um.

Bleib ruhig dran, denn nur so kannst du lernen, wenn du es auch wirklich durchziehst. Solange du weisst, was du tust und mit welcher Intention du es tust, ist es eigentlich fast egal, wie du an die Sache rangehst. Aber ich möchte dir jetzt einen Ansatz zeigen, eine gewisse Struktur zeigen, die dir Klarheit bringt.

Alle Karten aufdecken und auf die Bewegungen achten

Der erste Schritt ist, du hast drei Karten gezogen, ohne bestimmte Positionen, ohne bestimmte Fragen dahinter und du deckst die alle einfach mal auf.

Dann guckst du die drei Karten an und fragst dich „Was fällt mir auf? Gibt es da Bewegung? Gibt es da Stillstand? Gibt es das in eine bestimmte Richtung? Gucken die alle zum Beispiel nach rechts oder nach links oder schauen sich zwei Karten an? Was ist da das Gesamtbild? Was ist mein erster Impuls? Was springt mich da zuerst an?“

Die Karten von links nach rechts lesen

Dann liest du die Karten erst mal von links nach rechts, so wie wir auch lesen und schreiben.

Und schaust, was passiert da chronologisch? Gibt es da eine Entwicklung? Ist da eine bestimmte Körperhaltung? Bewegen die Personen auf den Karten sich aufeinander zu oder bewegen sie sich voneinander weg? Was erzählt mir die Abfolge?

Karten verbinden

Dann verbinde ich die Karten. Das ist der dritte Schritt. Also wenn du zum Beispiel erst Stillstand hast und dann Bewegung, da hast du dann einen Übergang.

Du hast nicht nur Stillstand und dann nur Bewegung, sondern es ist ein Übergang vom Stillstand hin zur Bewegung. Wir machen das jetzt auch mal an zwei Beispielen fest, damit du dir das besser vorstellen kannst, damit es nicht so furchtbar abstrakt ist.

Stell dir vor, du ziehst die Vier der Schwerter, den Ritter der Stäbe und die Acht Münzen.

Tarot Vier der Schwerter gemeinfrei
Ritter der Stäbe
Tarot 8 der Scheiben

Du deckst die auf. Die Vier der Schwerter, er liegt da auf seinem Sarkophag. Das ist Stillstand, Stillstand pur. Da ist Ruhe.

Der Ritter der Stäbe, da ist Bewegung, da ist Action.

Bei der Acht der Münzen ist einer, der sich auf seine Arbeit fokussiert, der umsetzt.

Okay, also du hast schon mal einen Stillstand, du hast eine Bewegung und dann eine gemächliche Bewegung in der Umsetzung.

Wie sehen die Karten so als Abfolger? Du hast eine Pause, du kommst bei der Vier der Schwerter zur Ruhe, du guckst nach innen, du bringst deine Gedanken zur Ruhe.

Der Ritter der Stäbe ist impulsiv, er ist leidenschaftlich, er brennt für das, was er tut. Da geht es auch um Dranbleiben. Und die Mission einfach verfolgen. Der will sein Ziel erreichen.

Dann hast du die Acht der Münzen, den Handwerker, der ganz fokussiert, der ganz konzentriert arbeitet. Er arbeitet eine Münze nach der anderen ab. Wenn du die ganzen Schlagwörter vor dir hast und die Bewegung, also die Pause, der Impuls und das Aufbauende, dann hast du schon mal eine grobe Geschichte. Das sagt dir noch nicht wirklich viel, aber dann verbindest du es.

Die Pause, die Ruhe, das Gedankliche, das Zur-Ruhe-Kommen, das führt zu dem Impuls. Und den Impuls, den setzt du in eine konkrete Handlung um. Also auf gut Deutsch, du brauchst erst mal die Ruhe, den Abstand, den Rückzug, um neue Energie zu tanken.

Du siehst den Übergang von der Vierder-Schwerter zum Ritter der Stäbe. Du tankst neue Energie, um wieder Kraft und Power zu haben. Und diese Energie verpufft nicht nur einfach, sondern du nutzt sie zur konkreten Umsetzung und hast damit den Bogen zu der Acht der Münzen geschlagen.

Also die Legung sagt dir ganz einfach, mach mal eine Pause, komm zur Ruhe, sortier dich, sortier deine Gedanken, um wieder in deine Kraft zu kommen und das wirklich gut umsetzen zu können, was du möchtest. Und wenn du die Karten nur einzeln für sich deutest, wird es ein bisschen schwieriger. Also versuch, das wirklich zu einer Geschichte zu verbinden.

Wir machen noch ein anderes Beispiel mit einer Hofkarte und mit einer Grossen Arkana.

Stell dir vor, du ziehst den Turm, die Sechs der Schwerter und die Königin der Kelche.

Tarot-Sechs der Schwerter-gemeinfrei
Tarot Königin der Kelche

Was ist da los? Erst mal Chaos. Da ist Bewegung drin, Blitz und Donner und Menschen fallen heraus. Bei der Sechs der Schwerter hast du ebenfalls auch eine Bewegung.

Das Boot bewegt sich von A nach B. Die Königin der Kelche ist ganz ruhig und still, da tut sich nicht allzu viel. Also was ist die Abfolge? Du hast eine Krise, einen Zusammenbruch. Nichts ist mehr so, wie es war.

Alles bricht auseinander. Es bleibt kein Stein mehr auf dem anderen. In der zweiten Karte hast du einen Übergang.

Du nimmst natürlich deine Gedanken mit, aber aus der Unruhe kommst du in die Ruhe, die dann in der tiefen Ruhe der Königin der Kelche mündet. Also von viel Bewegung wird die Bewegung etwas ruhiger und kommt dann komplett zur Ruhe. Das passiert.

Du liest sie von links nach rechts und schaust dir an, was ist da für eine Entwicklung? Dann verbindest du das. Du hast diesen Zusammenbruch, dieses Chaos des Turmes, der dich zwingt weiterzugehen. Du kannst nicht mehr da bleiben, wo du warst.

Du musst den nächsten Schritt machen und das bringt dich zur Königin der Kelche. Das bringt dich wieder zu dir selber, zu deinem Anteil in dir, der dich versteht, der dich nährt, der dich schützt und auch emotional stützt. Ohne diesen Zusammenbruch würdest du nicht bei dir ankommen.

Das ist die Quintessenz. Die Grossen Arkana sind der Wendepunkt in einer Entwicklung. Du liest nicht nur Karte für Karte und du musst auch nicht in jedes Symbol eintauchen. Das wäre viel zu viel.

Du siehst einfach den grossen Zusammenhang. Natürlich kannst du dann, wenn die Legung auch tiefer gehen soll, noch tiefer in die einzelnen Karten reingehen.

Du hast schon mal ein gewisses Fundament, eine gewisse Essenz, von der aus du weitergehen kannst. Du fragst dich einfach, was passiert, wie entwickelt sich das Ganze?

Welche Karte sticht heraus?

Wie du jetzt schon gerade gesehen hast, wenn du die Karten aufdeckst, dann springt dich immer eine Karte an. Also nicht alle Karten haben das gleiche Gewicht und du musst die auch nicht alle gleich gewichten. Von dieser Idee kannst du dich schon mal verabschieden.

Eine Karte dominiert und je nachdem, in welcher Situation du bist, was gerade bei dir anliegt, wird es ziemlich wahrscheinlich bei den gleichen Karten immer wieder eine andere Karte sein, die sich geradezu aufdrängt. Du schaust einfach, welche Karte spricht dich an und kannst dann auch mit dieser Karte anfangen.

Du machst es erst von links nach rechts, um da eine gewisse Konsistenz reinzubringen, zumindest auf jeden Fall am Anfang. Wenn du schon ein bisschen mehr Übung hast, dann pick dir die Karte raus, die dich wirklich so anspringt, wo du sagst Okay, das ist die Karte, die hier in dieser Legung dominiert und schau mal, wo die liegt. Wenn sie auf der ersten Position liegt, wie bei dem einen Beispiel der Turm, dann kannst du natürlich damit anfangen.

Liegt sie an der letzten Position, kannst du das von hinten aufrollen und gucken Okay, wie ist die Geschichte, die dann zu dem Turm selber führt? Also fang dann wirklich, wenn du es dir zutraust, experimentiere einfach und hab da auch keine Angst davor. Du kannst nichts falsch machen. Fang mit der Karte an, die für dich im Moment relevant ist, denn sonst würde sie dich ja nicht anspringen.

Das zu ignorieren würde bedeuten, das zu ignorieren, was dein Unterbewusstsein im ersten Moment, wenn die Karten aufgedeckt sind, als für sich relevant anzieht. Damit solltest du einfach auch anfangen und von da aus die Karten weiterdeuten. Ich wünsche dir auf jeden Fall spannende Erkenntnisse.

Und wenn du magst, teile mir doch gerne deine Erfahrungen in den Kommentaren mit.

Hinweis: Rider-Waite-Smith-Deck, gemeinfrei, weil die urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

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Ivana