Ich habe schon ein paar Episoden darüber gemacht, warum du keine komplexen und komplizierten Legemuster brauchst, sondern drei bis fünf Karten reichen, aber ich habe nie darüber gesprochen, warum du überhaupt Legemuster brauchst, was sie dir bringen und wie du sie meistern kannst. Genau darum soll es heute gehen.
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Transkript der Episode
Warum brauchst du Legemuster?
Legemuster – du kennst vielleicht eines der bekanntesten Legemuster, das Keltische Kreuz. Vielleicht benutzt du es ja auch, oder diese Dreierlegemuster, z.B. was soll ich tun, was soll ich lassen, mit was soll ich weitermachen, das ist einer meiner Favoriten oder Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft und diese ganzen Legemuster haben eines gemeinsam: Sie sagen dir, wie viele Karten du brauchst und sie sagen dir, welche Position, welche Frage hat Karte 1 zum Beispiel, was soll ich tun, Karte 2, was soll ich lassen, Karte 3, mit was soll ich weitermachen. Das ist schon mal super, denn es gibt ja Orientierung.
Du musst nicht grossartig überlegen, was will ich jetzt eigentlich von den Karten, welche Frage beantworten sie, beziehungsweise welche Unterfrage beantworten sie, denn du gehst ja in eine Legung schon mit einer bestimmten Frage, mit einer bestimmten Intention und da sind dann die heruntergebrochenen Fragen, die die Positionen haben und weisst genau, die erste Karte beantwortet mir die Frage, was ich tun soll, die zweite, was ich lassen soll und die dritte, mit was ich weitermachen soll. Ist super, es gibt einen gewissen Rahmen. Du weisst genau, was du tust und du setzt die Karte in Bezug zur Position und in Bezug zu deiner Ausgangsfrage und hast damit einen roten Faden.
Das ist perfekt, gerade am Anfang, da musst du nicht gross darüber nachdenken, was jetzt welche Karte bedeuten kann, aber auch wenn du schon fortgeschritten bist, sind Legemuster super, um wirklich auf den Kern der ursprünglichen Frage zu kommen.
Musst du dich genau an die Legemuster halten?
Die Frage, die sich viele stellen, muss ich mich sklavisch an diese Legemuster halten. Wenn du ein bewährtes hast, das schon viele hunderttausende Male oder noch öfter gelegt wurde, wie zum Beispiel das Keltische Kreuz, warum nicht? Irgendjemand hat sich irgendwann mal was dabei gedacht, als dieses Legemuster entwickelt wurde und es hat sich bewährt und deshalb, wenn du schon so ein klassisches Legemuster nimmst, dann halte dich einfach dran, denn wenn du es abwandelst, ist es nicht mehr das Keltische Kreuz, sondern etwas anderes.
Das ist genau wie wenn du einen Teig machst. Du kannst einen salzigen Teig machen für eine Quiche oder du kannst einen süssen Teig machen für einen Kuchen. Beides hat zum grossen Teil die gleichen Zutaten, aber es ist dann doch wie ein anderer Teig, je nachdem was du beabsichtigst. Wenn du das Keltische Kreuz verwenden willst, dann halte dich einfach dran.
Wenn du es abwandeln möchtest, mach es. Im Tarot gibt es keine absolute und keine abschliessende Wahrheit. Das ist meine Überzeugung und deshalb musst du dich nicht unbedingt immer dran halten, aber wenn du es abwandelst, ist es halt einfach was anderes.
Das ist ganz einfach.
Was ist das beste Legemuster?
Und wenn du dich fragst, was ist das beste Legesystem? Das, was für dich funktioniert.
Um noch mal auf das Keltische Kreuz zurückzukommen: Damit habe ich versucht anzufangen vor viel, vielen Jahren, als ich mit Tarot gestartet habe.
Ich war völlig überfordert. Zehn Karten, jede hatte eine bestimmte Position, eine bestimmte Bedeutung dieser Position und ich sass da mit dem Buch und hatte die Bedeutungen aus dem Buch. Da war ich lange noch nicht so weit, wie ich jetzt bin und es hat mir gar nichts gesagt.
Das hat nicht zu meiner Frage gepasst und ich wusste nicht, was ich machen soll. Es hat für mich nicht funktioniert und ich habe auch später immer wieder mal versucht, Zugang zum Keltischen Kreuz zu finden. Auch später, als ich mehr Ahnung von Tarot hatte, aber ich bin nie damit warm geworden.
Und bloss, weil es ganz, ganz viele Menschen verwenden und es toll finden und viele Kunden es auch kennen, entsteht daraus keine Verpflichtung für mich, das Keltische Kreuz auch zu verwenden. Ich werde damit nicht warm und deshalb benutze ich es einfach nicht. Und das Legesystem, das für dich funktioniert, ist für dich in dem Moment das beste Legesystem.
Was hat der Hierophant mit Legemustern zu tun?

Und mich erinnern diese Legemuster, diese Legesysteme auch an den Hierophanten. Und warum? Der Hierophant steht unter anderem für Tradition, für Werte, für etwas, was sich bewährt hat, was überliefert wurde und was auch dadurch eine gewisse Berechtigung hat. Irgendwann hat mal jemand etwas entwickelt, sich etwas überlegt, das wurde ausprobiert, das wurde vielleicht verfeinert und es hat sich bewährt und wird dann tradiert.
Es wurde von einer Generation oder von einem zum anderen weitergegeben, weil es einfach Sinn macht, weil es einfach sinnvoll ist. Und das lehrt dich der Hierophant. Der kann manchmal auch etwas dogmatisch werden und sagen, okay, das ist die einzige Wahrheit.
Aber wenn du dir die Karte mal anschaust, da sind zwei Schüler und da liegen Schlüssel. Der eine Schüler folgt dem Weg des Hierophanten. Also der geht diesen bereits ausgetretenen Pfad, weil da hat er keine Stolperfallen zu befürchten, da weiss er, was er hat, das ist bewährt.
Und wenn trotzdem mal Fragen kommen, kann er sich ja an den Hierophanten wenden, der mit Sicherheit eine Antwort hat. Also er verlässt sich auf das Bewährte. Und das ist auch völlig in Ordnung.
Da gibt es den zweiten Schüler, der nimmt sich den Schlüssel, der da vor dem Hierophanten liegt und schliesst damit eine neue Tür auf. Also er geht quasi von dem, was er gelernt hat, was auch bewährt ist, das nimmt er als Startpunkt oder als Sprungbrett und geht damit seinen eigenen Weg. Er schliesst die Tür auf, er bewegt sich in das Unbekannte, er bewegt sich in eine neue Welt, er testet neue Sachen aus und er modifiziert vielleicht das, was er gelernt hat.
Oder er findet heraus, dass das, was er gelernt hat, für ihn so nicht funktioniert und er findet seinen eigenen Weg. Natürlich braucht er dann vielleicht eine Machete, um sich den Weg freizuschlagen oder einen neuen Kompass oder eine Landkarte, um sich zu orientieren. Aber er macht etwas Neues.
Er macht etwas Eigenes. Genau das sind auch die beiden Möglichkeiten, die du mit Legemustern hast. Oder du kannst es beides natürlich auch mal so, mal so machen.
Du kannst mal die bewährten Sachen machen, wie eben das Keltische Kreuz, wenn du damit etwas anfangen kannst. Oder du entwickelst deine eigenen Legemuster, weil du mit dem Keltischen Kreuz oder mit den Legemustern, die du sonst in Büchern oder in Videos oder Podcasts oder wo auch immer findest, weil du damit nichts anfangen kannst, weil es mit dir nicht in Resonanz geht. Und auch das ist in Ordnung.
Also ich propagiere definitiv nicht, alles selber neu zu machen, denn du musst erst mal verstehen, welchen Sinn Legemuster haben, welche Struktur sie haben, um damit dann auch deine eigenen zu machen. Da mache ich vielleicht noch mal ein eigenes Video dazu, wie du deine eigenen Legemuster entwickelst. Aber jetzt gehen wir noch mal wieder zurück.
Also das beste Legemuster ist das, was für dich funktioniert. Probier dich da ruhig mal aus. Probier mal auch unterschiedliche Legemuster aus.
Es gibt auch Bücher, die nur Legemuster haben und teste da einfach mal, was für dich in Resonanz geht.
So meisterst du ein Legemuster
Alle Karten sofort aufdecken oder eine nach der anderen?
Aber wie meisterst du jetzt ein Legemuster? Egal jetzt welches. Manche sagen, du sollst erst mal alle Karten aufdecken, manche sagen immer eine Karte nach der anderen.
Auch da gibt es kein absolut richtig und kein falsch, sondern probier es einfach mal aus, was sich für dich stimmig anfühlt. Probier es erst mal aus mit allen Karten. Das mag, wenn es viele Karten sind, erst mal etwas erschlagend sein, wenn du da auf einmal fünf oder sechs oder zehn Karten siehst.
Bei dreien ist es überschaubar und probier es einfach mal aus, eine Karte nach der anderen.
1. Was springt dir als Erstes ins Auge?
Wenn du alle Karten auf einmal aufdeckst oder später alle Karten aufgedeckt hast, was ist dein erster Eindruck? Was dominiert? Was springt dir als erstes ins Auge? Welche Karte springt dich geradezu an? Welche Karte ist es, die deine Aufmerksamkeit auf sich zieht? Oder vielleicht ist es eine Farbe, ein Symbol, eine Person? Also was ist das erste, was deine Aufmerksamkeit so richtig catcht? Das kann ein guter Startpunkt sein, denn nicht umsonst fällt es dir als erstes ins Auge. Notier dir deine ersten Assoziationen dazu, notier dir das, was dir als erstes in den Kopf kommt oder sprich es mit der Mikro, mit einer Aufnahmefunktion in dein Handy ein, dass es einfach nicht verloren geht.
2. Deute in chronologischer Reihenfolge
Danach würde ich dir empfehlen, die einzelnen Karten in ihrer chronologischen Reihenfolge zu betrachten, von links nach rechts oder wie auch immer das Muster aussieht. Also mit der ersten Karte anfangen, mit der letzten Karte aufhören und dir da Gedanken zu machen, okay, was fällt mir bei der jeweiligen Karte als erstes auf? Und komm nicht in die Versuchung, automatisch die ganzen Bedeutungen, die du vielleicht schon kennst, abzuspulen, sondern lass dich von der Karte leiten. Lass dich von dem leiten, was du als erstes siehst, was dir als erstes auffällt.

Vielleicht fällt dir zum Beispiel bei der Neun der Münzen die kleine Schnecke als erstes auf. Vielleicht fallen dir die Weintrauben auf. Vielleicht fällt dir der Falke auf, der diese Kappe hat und so weiter.
Also was fällt dir bei der Karte auf und setze es in Bezug zu der Position und zu der Frage. Was kann das alles bedeuten? Und so gehst du die einzelnen Karten durch.
3. Setze die Karten miteinander in Beziehung und finde Muster
Dann setzt du die Karten in Beziehung zueinander. Gibt es Karten oder beziehungsweise Figuren auf den Karten, die sich anschauen, die sich voneinander wegdrehen? Ist da viel Bewegung drin? Erkennst du vielleicht ein Muster? Erkennst du vielleicht Ähnlichkeiten? Wiederholt sich etwas? Damit meine ich nicht, wenn da viele Kelchkarten sind, dass sich da die Kelche wiederholen, sondern zum Beispiel Türme oder das Unendlichkeitszeichen oder eine bestimmte Farbe.
Wo gibt es Muster? Und das, was ich gerade gesagt habe, viele Kelche oder viele Schwerter, das ist auch ein Muster. Also welche Reiche dominieren? Sind es viele Münzen? Sind es viele Schwerter? Fehlen welche? Fehlen zum Beispiel die Stäbe? Sind ganz viele von der Grossen Arcana mit dabei? Fehlt die Grosse Arcana? Also schau da auch an, welche Strukturen da sind. Schau dir an, wo der Schwerpunkt der Karten liegt.
Das sind alles ganz, ganz wichtige Punkte, die dir dazu helfen, einen Gesamteindruck zu machen. Wenn du nur stur von links nach rechts jede Karte deutest, hast du schon ein gewisses Fundament. Aber die Kunst dabei ist, die Karten dann in Beziehung zueinander zu setzen, eben diese Ähnlichkeiten zu erkennen, Muster zu sehen, Beziehungen zwischen den Karten herzustellen. Das ist es dann, was wirklich eine gute Deutung ausmacht. Das kommt auch nur mit der Zeit.
Da setzt dich bitte nicht unter Druck, dass du es gleich von Anfang an so machen musst oder so machen sollst, sondern geh da spielerisch einfach dran. Das kommt, wie gesagt, mit der Zeit und mit der Übung, dass du dann einfach Sachen erkennst, die sich auch wiederholen oder auch Dinge, die sich verstärken.
Vielleicht gibt es Karten, die auf Aufbruch hindeuten. Vielleicht gibt es da mehrere. Das deutet auf eine starke Tendenz hin, dass man vielleicht etwas loslassen, etwas hinter sich lassen sollte und so weiter.
4. Betrachte die Legung aus Vogelperspektive und springe auch zwischen den Karten
Wenn du das gemacht hast, würde ich dir empfehlen, dann nochmal einen gewissen Blick aus der Vogelperspektive auf die Legung zu machen.
Und dann vergiss einfach die Positionen. Vergiss, was die erste Karte bedeutet, was die letzte Karte bedeutet, also in dem Legemuster. Also zum Beispiel eben bei Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft.
Vergiss, dass die erste Karte die Vergangenheit ist, die zweite die Gegenwart und die dritte die Zukunft, vergiss einfach diese Positionen und guck, was kommt da jetzt noch. Spring zwischen den Karten. Was sagt die erste Karte, wenn du sie in Bezug zur letzten Karte siehst? Was sagen die Karten, wenn du Beziehungen, Querverbindungen machst? Wenn du vielleicht eine Viererlegung hast und die im Quadrat machst, wie kannst du die Karten überkreuz deuten? Also spring da ruhig und lass dich von den Karten führen.
Lass dich von den Karten inspirieren.
5. Fasse die Legung zusammen
Der letzte Schritt ist, mach eine Zusammenfassung. Also fasse die ganze Legung zusammen.
Das ist auch eine Kunst für sich, denn die ganzen vielen Informationen, die du schon gesammelt hast, wirklich noch mal auf den Punkt zu bringen.
Wovon ich abraten würde, ist, wenn dir die Karten unklar sind, da diese sogenannten Klärungskarten zu ziehen. Denn dann kommen noch mehr Informationen und noch mehr Informationen und meine Erfahrung ist – probiere es gerne aus, vielleicht hilft es dir – aber meine Erfahrung ist, dass es dann nur noch zusätzlich verwirrt, weil noch mehr Infos kommen, noch mehr Infos und dann weiss man nicht so genau, wie passt diese Klärungskarte dazu.
Vielleicht verstärkt sie etwas, vielleicht macht sie auch im ersten Moment überhaupt keinen Sinn. Ich arbeite immer grundsätzlich mit den Karten, die da sind, denn die sind aus einem bestimmten Grund da. Wenn du auch was kochst oder so, dann an einem Sonntag und keine Tankstelle in der Nähe ist, dann musst du auch mit den Sachen zurechtkommen, die du hast und aus denen etwas zaubern, aus denen Essen zubereiten. Ähnlich sehe ich das mit den Legemustern oder mit den Karten, die vor mir sind. Ich arbeite also immer mit den Karten, die wirklich vor mir liegen.
Und wie gesagt, wenn ich durch bin, wenn ich erst mal geschaut habe, was ist mein erster Eindruck, wenn ich die Einzelkarten betrachtet habe, wenn ich sie in Beziehung zueinander gesetzt habe, wenn ich geschaut habe, welche Karten verstärken sich, vielleicht gibt es auch gegensätzliche Karten, was mache ich damit? Das können zum Beispiel Hinweise auch auf Lösungen sein oder auf nächste Schritte.
Also was ist das Gesamtbild und was ist das Gesamtbild, wenn ich es aus der Vogelperspektive betrachte? Das ist die Zusammenfassung und was ist dann der nächste Schritt?
6. Was ist der nächste Schritt?
Was raten mir die Karten? Ich habe eine gewisse Situation, ich habe die Situation mit den Karten analysiert, aber was ist dann der nächste Schritt? Und da kannst du auch nochmal gucken, was die Karten dir dazu raten, was dir auffällt, was vielleicht ein Impuls ist, dem du folgen kannst.
7. Verliere dich nicht in Details
Wichtig ist, dass du dich nicht in Details verlierst. Du musst nicht alles auf der Karte deuten, du musst nicht jedes Symbol, jede Farbe, jede Bewegung, jede Person deuten.
Konzentrier dich wirklich auf das, was dir ins Auge springt, was für dich wichtig ist. Und verliere dich nicht in Details, weil sonst kommst du vom Hundertsten ins Tausendste. Also wahre da eine gewisse Distanz.
Ich weiss, dass gerade am Anfang man versucht ist, da wirklich alles zu deuten und jedes Detail da zu analysieren. Lass es einfach. Nicht jedes Detail, nicht jedes Symbol, nicht jede Figur auf der Karte hat immer eine Bedeutung für diese konkrete Legung.
Es sind die Sachen, die dir ins Auge springen, die deine Aufmerksamkeit fesseln. Das machen sie ja nicht ohne Grund.
Also du weisst jetzt, warum es die Legemuster gibt. Du weisst, wofür sie gut sind, nämlich sie geben dir Orientierung, sie geben dir Struktur, sie geben dir Sicherheit. Du weisst jetzt, dass du dich nicht sklavisch daran halten musst.
Du weisst, dass das beste Legesystem das ist, was für dich funktioniert, egal was alle anderen sagen. Und du weisst jetzt, wie du ein Legesystem meisterst. Ich wünsche dir damit spannende Erkenntnisse und wir hören uns im nächsten Podcast.
Hinweis: Rider-Waite-Smith-Deck, gemeinfrei, weil die urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.
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