Was sind eigentlich Glaubenssätze?

Das Thema „Glaubenssätze“ spukt ja schon seit einer Weile im Netz und auf den verschiedensten Seiten herum. Es gibt kaum einen Blog oder einen Coach, der sich nicht damit auseinandersetzt. Ich mache hier, wie du ja gerade feststellst, auch keine Ausnahme.

Meist hängt diesen Glaubenssätzen etwas Negatives an. Die muss man ändern, loswerden, transformieren.
Nö, muss man nicht. Zumindest nicht jeden Glaubenssatz. Ein Glaubenssatz ist zunächst einmal per se nicht gut oder schlecht, sondern neutral.

Glaubenssätze sind zunächst einmal ganz banal Verallgemeinerungen.
Wir brauchen sie, denn sonst müssten wir ständig in ähnlichen Situationen neu überlegen, wie wir uns entscheiden.
Das würde unglaublich viel Zeit kosten und uns irgendwann einmal hoffnungslos überfordern. Daher haben wir uns irgendwann einmal (unbewusst) entschieden, dass wir bestimmte Tatsachen einfach glauben. Dann müssen wir sie nicht ständig hinterfragen. Das macht unser Leben einfacher, wir sparen Zeit und können uns anderen Dingen widmen. Das ist eine wirksame Strategie.

Glaubenssätze geben uns ein Gefühl der Sicherheit. Wir glauben etwas und das ist erst einmal so. Dabei ist es ziemlich egal, ob es den Tatsachen entspricht oder nicht. Jahrhundertelang glaubten die Menschen, dass die Sonne sich um die Erde dreht und die Erde eine Scheibe ist. Diejenigen, die das angezweifelt haben, wurden verfolgt.

Glaubenssätze sind also Sätze, die wir für wahr halten. Wir glauben sie und hinterfragen sie nicht. Zunächst einmal.

Glaubenssätze sind Überzeugungen, Meinungen und Erklärungen über uns selbst, andere Menschen und Welt im Allgemeinen.
Sie prägen unser Denken, unser Handeln und auch unser Fühlen.

Das Gute an den Glaubenssätzen ist, dass sie eigentlich auch immer eine positive Absicht haben.

Glaubenssätze fallen nicht einfach so vom Himmel.

Sie werden von unseren Erfahrungen geprägt und vor allem durch das, was wir erlebt haben.

Sie werden uns von unseren Eltern, den Lehrern, eigentlich von der gesamten Umwelt übermittelt.

Wenn wir klein sind, dann sind unsere Eltern unsere Vorbilder und unsere Helden. Das was sie sagen, was sie für richtig und falsch halten, das prägt uns. Es sind unsere Eltern und die wissen ja schließlich alles und machen alles richtig. So denken wir, wenn wir Kinder sind.
Daher ist es nicht weiter verwunderlich, dass wir als Kinder das aufsaugen, was von den Eltern, Großeltern, der Familie, den Lehrern kommt. Das verinnerlichen wir und es wird zu einem Teil von uns.

Irgendwann fangen wir dann an, selbst unsere Meinung zu bilden, eigene Überzeugungen zu entwickeln und auch unsere eigenen Glaubenssätze zu entwickeln.
Wir machen Erfahrungen, die uns beeinflussen.
Wir finden bestimmte Menschen toll, eifern ihnen nach und übernehmen – unbewusst – auch ihre Überzeugungen.
Das kann dir übrigens nicht nur bei Vorbildern passieren, sondern auch bei Menschen, mit denen du viel zusammen bist, dein Partner, deine Familie, deine Kolleginnen und Kollegen zum Beispiel.

Die Glaubenssätze, die wir so im Laufe der Zeit anhäufen, haben eigentlich nur positive Absichten: sie wollen uns schützen, uns das Leben einfacher machen, uns vor Enttäuschungen bewahren.

Glaubenssätze werden aber auch von unserer Kultur geprägt. Je nachdem, wo du aufgewachsen bist, wirst du eine andere Vorstellung davon haben, wie die Welt funktioniert, wie andere Menschen sind, was gut ist und was schlecht.
So haben im allgemeinen Südländer zum Beispiel ein anderes Zeitverständnis wie wir Deutschen. Religion und Spiritualität spielt beim überwiegenden Teil der Bevölkerung von Nepal oder Sri Lanka eine größere Rolle als bei uns. Das bestimmt die Einstellung zum Leben, zum Tod und prägt das zwischenmenschliche Verhalten genauso wie es bei uns die „typisch deutschen“ Tugenden wie Pünktlichkeit und Ordnung tun.

Glaubenssätze können ganz unterschiedliche Merkmale haben:

1. Verallgemeinerungen

Du erkennst sie an so Worten wie „immer“, „jeder“, alle“ etc.

Diese Verallgemeinerungen machen das Leben einfach. Stelle dir mal vor, du müsstest jedes Mal überlegen, wenn du eine rote Ampel siehst, was du machen sollst. Das wäre ganz schön kompliziert und aufwändig. „Ich bleibe an einer roten Ampel immer stehen“ nimmt da schon ganz ordentlich Druck raus.

2. Der berühmte „Man“

„Man tut das (hier kannst du so ungefähr alles einsetzen“ nicht.“ Diese unpersönliche Aussage schiebt zum einem die Verantwortung weg und zum anderen hat sie auch so etwas Allgemeingültiges. Es klingt schon fast wie ein Gesetz. Man geht nicht bei Rot über die Ampel. Ist so. Punkt, aus, fertig, keine Diskussion.

3. Scheinbar logische Verknüpfungen

Das erkläre ich am besten mit einem Beispiel: Wenn ich nach 18 Uhr Kaffee trinke, kann ich nicht schlafen“. Du hast diese Erfahrung gemacht und sie mit dem Kaffee verknüpft. Vielleicht lag es am Kaffee, vielleicht am schweren Essen. Jetzt bestimmt die Uhrzeit, bis wann du Kaffee trinkst und ab wann nicht mehr. Aber wann hast du diesen Glaubenssatz denn eigentlich das letzte Mal auf seinen Wahrheitsgehalt überprüft?

4. Geläufige Sprüche

Oft gibt es Aussagen oder „Lebensweisheiten“, die wie ein Mantra wiederholt werden: Gerade bei Jungs sehr beliebt „Ein Indianer kennt keinen Schmerz.“ Die Jungs wollen natürlich tapfer und edel und wenn die Indianer keinen Schmerz kennen, dann wollen sie es auch nicht. Sie wollen einfach genauso sein, dazugehören.
Solche Sprüche gibt es in Familien, in Firmen, in Städten. Mia san mia (= Wir sind wir) zum Beispiel, ein Ausdruck eines gewissen Selbstbewusstseins des FC Bayern und der Münchner/Bayern.

5. Emotionen

Oft ist es so, dass wirklich tiefe Glaubenssätze starke Emotionen hervorrufen. Wenn du mit jemand über ein Thema wie z.B. Weltanschauung oder Ernährung diskutierst, dann kann es sehr gefühlsgeladen werden. Besonders wenn die Ansichten und Aussagen nicht oder nur scheinbar logisch begründet werden, dann kann das ein Indiz auf starke Glaubenssätze sein.

Warum funktionieren Glaubenssätze?

Ob du denkst, du kannst es oder du kannst es nicht, du wirst auf jeden Fall recht behalten.
– Henry Ford

Je öfter wir die Glaubenssätze wiederholen, desto fester werden sie. Es sind unsere Affirmationen, unsere Mantren.

Das Gute an Glaubenssätzen ist zunächst einmal vom Grundsatz her, dass du das erlebst, was du erwartest.
Wenn du also einen Glaubenssatz hast, dann wird dein Unterbewusstsein alles dafür tun, dass du genau das erlebst, was du glaubst. Es bestärkt dich also in deinem Glauben. Dabei ist es deinem Unterbewusstsein ziemlich egal, was du glaubst. Daher wirst du immer das sehen, erleben, hören, was du erwartest.

Du kennst sicher das Phänomen der selbsterfüllenden Prophezeiung. Du hast befürchtet oder sogar geglaubt, dass du eine Prüfung nicht bestehst und bist prompt durchgefallen. Dein Unterbewusstsein wollte dir einen Gefallen tun, damit du recht behältst.

Es gibt ja auch den schönen Satz, dass der Glaube Berge versetzt. Das gilt für Glaubenssätze genauso, auch wenn der Satz ursprünglich aus einem anderen Zusammenhang stammt.

Wann ist es sinnvoll, sich mit Glaubenssätzen zu beschäftigen?

Ich möchte erst einmal Entwarnung geben: Du musst dich nicht dauernd mit deinen hinderlichen Glaubenssätzen befassen. Also atme ruhig erst einmal durch.

Wenn du erst einmal anfängst, blockierende Glaubenssätze bewusst zu suchen, kommst du schnell vom hundertsten ins tausendste und findest kein Ende. Das kann und wird dich wahrscheinlich erst frustrieren und dann entmutigen. Sooo viele hinderliche Glaubenssätze, die du erst einmal auflösen musst, um xy zu erreichen. Ha, das ist auch schon wieder einer, erwischt!

Wenn du gezielt nach negativen Glaubenssätzen suchst, wirst du sicher fündig, aber macht das Sinn? Du solltest es nicht tun, wenn du gerade ohnehin nicht so gut drauf bist, denn sonst kommst du schnell in eine Negativspirale, die dich noch mehr runterzieht.

Es macht aber Sinn, einmal nachzuforschen, wie deine Einstellung zu einem bestimmten Thema ist, wenn du merkst, dass es nicht vorangeht. Das kann im Beruf der Fall sein, in der Partnerschaft, wenn es um Geld geht, um Freunde etc.

Hier stehen die Chancen nicht schlecht, dass du dich selbst sabotierst und irgendwo ein fieser Glaubenssatz steckt, der aber immer eine gute Absicht verfolgt. Das mag für dich zwar kontraproduktiv sein und im ersten Moment nicht nachvollziehbar, aber das habe ich schon im letzten Abschnitt angerissen.

Diesen sabotierenden Glaubenssatz solltest du bearbeiten und auch schauen, was sich dahinter verbirgt.

Aber eines kann ich dir schon gleich sagen: Du wirst nie alle Glaubenssätze auflösen. Du machst jeden Tag Erfahrungen und wirst jeden Tag mit Informationen konfrontiert, die deine Einstellung formen.

Wenn du mit Glaubenssätzen arbeitest, dann mache es nach Bedarf und auch da, wo es dich wirklich stört.

 

Und jetzt du: Arbeitest du schon mit Glaubenssätzen?

 

 

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Ivana

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