Ich liebe Komplimente und du?

Ich liebe Komplimente und du?

Wie ist es bei dir? Magst du Komplimente? Ich denke mir, im ersten Moment wirst du sagen „Ja klar!“. Es ist ja auch eine schöne Anerkennung dir selbst gegenüber.

Aber jetzt denke einmal nach: Wie reagierst du tatsächlich, wenn dir jemand ein Kompliment macht? Freust du dich und bedankst dich mit einem strahlenden Lächeln oder wirst du verlegen und wiegelst, ab. Der Rock ist alt, die Haare saßen gestern besser, der Kuchen, ach, das war gar nichts… So oder ähnlich reagieren die meisten Frauen, wenn ihnen ein Kompliment gemacht wird.

Ich war da auch nicht viel anders, aber das hat sich mittlerweile geändert. Inzwischen freue ich mich darüber und bedanke mich. Ich lasse den Satz einfach stehen und mache mich nicht klein.

Das ging aber auch nicht von heute auf morgen, denn Komplimente annehmen hat einiges mit Selbstwert und Glaubenssätzen zu tun. Ich möchte heute einiges davon geraderücken und ich wünsche mir, dass du in Zukunft auch Komplimente annehmen kannst.

 

1. Die Glaubenssätze

Eigenlob stinkt, Hochmut kommt vor dem Fall, Du hältst dich wohl für etwas Besseres, arrogante Ziege…

So oder ähnliche Sätze schwirren da in unseren Köpfen herum. Du kennst sie bestimmt auch oder?

Sagt man den eigentlich nur zu Mädchen oder auch zu Jungs? Egal, ich kenne diese aus meiner Kindheit, du vielleicht auch.

Woher kommt das eigentlich? Klar, das Bild des höflichen, zurückhaltenden und bescheidenen Mädchens spukt noch in vielen Köpfen herum, zumindest in dem meiner Elterngeneration und so wurde ich auch erzogen. Bloß nicht auffallen, immer schön im Hintergrund bleiben, bescheiden sein, am besten unsichtbar. Und gute Leistungen waren selbstverständlich, nichts, worum man ein großes Bohai macht.

Das ist unglaublich schade, denn auf diese Weise beraubt man die Kinder – und damit auch später die Erwachsenen – ihrer Kraft. Es wird zumindest schwerer, wieder stolz auf sich und seine Erfolge zu sein.

Doch was steckt eigentlich hinter diesem Verhalten?

Im Prinzip kannst du davon ausgehen, dass jedes Verhalten grundsätzlich einmal eine positive Absicht verfolgt. Das mag im ersten Moment ein komischer Gedanke sein, gerade wenn es Verhaltensweisen sind, mit denen du nicht übereinstimmst, aber der Handelnde will erst einmal etwas Gutes.

Der Ablauf könnte wie folgt sein: Wenn du Erfolg hast und gut bist oder mit etwas herausragst, dann bist du etwas Besonderes. Und damit verlässt du die Masse und gehörst nicht mehr dazu.

Das ist der Punkt, vor dem uns unsere Eltern (unterbewusst) und wir uns dann später selbst eigentlich schützen wollen: nicht mehr dazuzugehören, nicht mehr Teil einer Gruppe zu sein. Denn wer will schließlich mit einer arroganten oder hochmütigen Ziege befreundet sein?

So schließt sich dann der Kreis: Wir wollen dazugehören, nicht mehr herausragen und nehmen uns immer mehr zurück.

2. Die Konsequenzen

Fakt ist, dass wir es häufig wunderbar schaffen, uns auf dieser Weise klein zu machen und klein zu halten. Wir wollen gemocht und Teil einer Gruppe sein. Das ist zunächst einmal auch absolut nachvollziehbar und verständlich. Aber erreichen wir so auch unser Ziel, dazuzugehören?

Vorrangig ja, aber wenn wir uns ständig zurücknehmen, dann nehmen wir uns selbst immer mehr Raum und auf die Spitze getrieben werden wir irgendwann unsichtbar. Willst du unsichtbar sein? Willst du ausgesaugt werden? Ich nicht, aber bis ich soweit war, hat es auch gedauert.

Die Konsequenz von diesen Glaubenssätzen ist, dass du damit auch erpressbar bist.

Da braucht nur jemand das Knöpfchen „Du bist arrogant“ oder „Du hältst dich für zu fein/ etwas Besseres.“ zu drücken und du spurst wieder, weil du nicht als arrogant gelten willst. Das öffnet Energievampiren Tür und Tor.

Wir kennen doch alle Menschen, die ihre Sachen (Arbeit, Probleme, Frust….) bei uns abladen. Wenn wir dann selbst Hilfe oder einfach nur ein offenes Ohr brauchen, sind sie nicht da.
Aber du willst niemand verprellen und so hilfst du, auch wenn du keine Kraft mehr hast, lässt dir Überstunden aufbrummen oder übernimmst noch die Extra-Aufgabe, denn du willst dazugehören.

Das Knöpfchendrücken kann direkt oder indirekt geschehen, aber die Angst ist immer da, wenn du herausragst, sei es mit der neuen Frisur, einem genialen Kuchen oder einem beeindruckenden Projektabschluss. Hups, jetzt falle ich auf, was denken denn die anderen? Schnell wieder klein machen, wegducken, nicht sichtbar werden.
So sabotierst du systematisch dein eigenes Selbstwertgefühl.

Übrigens ist es auch nicht gerade höflich dem Komplimentgeber gegenüber, sein Kompliment abzuwerten. Damit sagst du auch indirekt, dass es nicht stimmt. Kein so super Gefühl oder? Versetze dich mal in seine Lage. Wie begeistert wärst du, wenn du aufrichtig jemand etwas Schönes sagst und es wird zurückgewiesen?

3. Was tun?

Der erste Schritt ist einfach: Verteile du aufrichtige Komplimente.

Das fällt dir wahrscheinlich erst einmal leichter, als selbst welche anzunehmen. Aber du gewöhnst dich an den Umgang mit Komplimenten, mit positiven Aussagen, denn du hörst sie ja auch selbst, wenn du sie sagst. Dein Unterbewusstsein nimmt sie wahr, auch wenn du sie anderen gegenüber aussprichst.

Und wenn dein Gegenüber sich klein macht, dann weißt du ja, warum es so ist. Sprich es an und sprich darüber. Hilf dabei, dass auch andere einmal ihre Glaubenssätze hinterfragen.
Mache aber bitte immer nur dann ein Kompliment, wenn du es aufrichtig meinst, denn das merkt dein Gegenüber.

Der zweite Schritt ist vielleicht ein wenig schwieriger: Mache dir selbst Komplimente und sprich sie laut aus.

Was hast du heute Gutes gemacht? Das können Kleinigkeiten sein. Du hast dir Zeit zum Frühstücken genommen, du bist rechtzeitig aus dem Haus und musstest nicht hetzen, du hast jemand ein Kompliment gemacht, du hast die Präsentation gut hinbekommen. Lob dich selbst. So gewöhnst du dich langsam immer mehr daran, gut über dich zu denken und zu sprechen.

Ich gebe zu, es ist am Anfang etwas komisch, aber was soll denn schlimmes passieren, wenn du dich lobst? Ich garantiere dir, es wird sich nicht der Himmel öffnen und es wird dich auch keine grollende Stimme von oben beschimpfen, wenn du es nicht selbst tust.

Der dritte Schritt ist, Komplimente annehmen und sich dafür bedanken. Probiere es aus.

Mache es wirklich bewusst, dass du nicht wieder in das alte Muster zurückfällst und dich klein machst. Und lobe dich selbst ruhig, wenn du ein Kompliment angenommen hast.

Du kannst dich mit einem Lächeln bedanken, Danke sagen oder es auch als einen Aufhänger für ein Gespräch nehmen. Deine Präsentation wurde gelobt? Du fandest auch das Thema besonders spannend, gerade den Aspekt XY. Der Rock ist toll? Im Geschäft AB gab es eine tolle Auswahl, du könntest es empfehlen. Die neue Frisur steht dir besonders gut? Du hast dich endlich einmal wieder verwöhnen lassen, weil du es verdient hattest.

Wenn du nach und nach lernst, mit Komplimenten umzugehen, wird das deinen Selbstwert und dein Selbstbewusstsein steigern. An Anfang ist es noch ungewohnt, aber mit der Zeit wirst du dich über aufrichtig gemeinte Komplimente freuen, glaub mir. Es sind Streicheleinheiten für die Seele. Sei freigiebig damit und lerne, sie anzunehmen.

Du bist ein wertvoller Mensch und du darfst dich auch genauso sehen.

Bleibe bei dir und lebe frei!

Und jetzt du: Wie gehst du mit Komplimenten um?

 

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Ivana

Als ganz besondere Reisebegleiterin verbinde ich Naturspiritualität mit persönlicher Entwicklung. Ich begleite in meinen Coachings Frauen dabei, in ihren Mut, ihre Selbstliebe und ihr Vertrauen zu kommen, um ein Leben nach ihren Vorstellungen und Werten zu leben.

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4 Kommentare

  1. Super Beitrag Ivana. Genau so habe ich es aus dieser Ich-mach-mich-selbst-klein-Falle befreit. Mittlerweile kann ich Komplimente gut annehmen und verteile auch gerne welche. Meinen Töchtern bin ich damit wohl ein gutes Beispiel. Sie achten bei anderen inzwischen auf Kleinigkeiten die sie dann extra positiv bereden. Das macht mich echt stolz.

    1. Author

      Vielen Dank liebe Heike und es freut mich sehr zu hören, dass wir den gleichen Weg gegangen sind. Toll, dass auch deine Töchter da fleißig mitmachen. Das macht den Alltag ein gutes Stück besser 🙂

      Liebe Grüße,
      Ivana

  2. Ich habe mich in der letzten Zeit ein wenig mit Optimismus und Pessimismus auseinandergesetzt. Am interessantesten fand ich, dass man Kinder zu Optimisten erziehen kann. Dazu gehört unter anderem, die Kinder häufig zu loben. Statt sie z.B. zu ermahnen, vorsichtig zu sein, wenn sie hoch auf einem Klettergerüst herumklettern soll man ihnen zur tollen Leistung gratulieren.
    Ein netter Gedanke, den ich in der Kindererziehung momentan aktiv umzusetzen versuche. Dass man Lob und Anerkennung auch annehmen können muss ist klar, aber auch das lernen die Kinder, wenn man sich ihnen gegenüber entsprechend verhält.

    1. Author

      Hallo Andrea,

      vielen Dank für deinen Kommentar.
      Ja, das ist richtig. Vieles von dem Verhalten, das wir als Erwachsene zeigen, wird in der Kindheit angelegt. Das Verhalten, was uns ein positives Ergebnis bringt, wird immer weiter gepflegt. Daher bin ich völlig bei dir, wenn du die Kinder für ihre Leistung lobst, statt sie zu Angsthasen zu erziehen.

      Viele Grüße,
      Ivana

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